Lieferdienste stoßen durch den boomenden Online-Handel inzwischen an ihre Grenzen. Die Folgen sind starker Verkehr und eine hohe Zahl an voneinander unabhängigen Paketdiensten. Quartiersboxen und alternative Lieferfahrzeuge wollen den Lieferverkehr reduzieren und umweltverträglicher gestalten.

Wie steht es um den aktuellen Lieferverkehr?

Die Briefpost geht zwar zurück, aber durch den Online-Handel steigt der Paketversand. Die Mitglieder des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik haben 2017 3,4 Milliarden Pakete versandt. Im Jahr 2022 soll diese Zahl um knapp 30 Prozent höher liegen. Die Branche steuert enormen Herausforderungen entgegen.

Der Anteil von Lieferfahrzeugen am Gesamtverkehr ist hoch. Die Deutsche Post allein betreibt fast 50.000 Fahrzeuge. Dabei handelt es sich meist um Lieferwagen mit konventionellen Antrieben, die den Verkehr stark erhöhen, die Umwelt zusätzlich belasten und genau wie alle anderen Verkehrsteilnehmer im Stau stehen.

Nicht nur Staus machen Zustellungen aufwendig, sondern auch die Anfahrten zu jeder einzelnen Haustür. Oft können Pakete jedoch nicht persönlich zugestellt werden. Nach einer Studie der Frankfurt University of Applied Sciences aus dem Jahr 2017 konnten teilnehmende Kurierdienste 28 Prozent der Pakete nicht bei der Zieladresse zustellen.

Immer mehr Lieferdienste drängen sich auf den Markt. Auch der Versandhändler Amazon ist inzwischen mit seinem eigenen Lieferservice im Geschäft. Der Dienst Amazon Flex setzt dabei auf Privatleute als Zusteller. Damit kann ab sofort jeder mit eigenem Auto ein Lieferdienst sein.

Die Folgen der Lieferkultur

Durch sperrige Lieferfahrzeuge geht entsprechend viel Raum verloren. Kombiniert mit deren hohen Anzahl sind Staus und in zweiter Reihe parkende Lieferfahrzeuge die Folge.

Die Umwelt leidet unter diesem Verkehrsaufwand. Nach dem Umweltbundesamt emittierte der Straßengüterverkehr 2017 41 Millionen Tonnen CO2.

Zudem brauchen Pakete oft mehrere Zustellversuche. Jeder Versuch entspricht einer weiteren Fahrt. Lieferfahrten werden sich weiterhin stark erhöhen, wenn abseits der vielen Paketdienste auch noch Privatleute Zustellungen ausführen.

Geringe Versandkosten unterstützen den Onlinehandel und damit die derzeitige Situation in der Logistikbranche.

Neue Lieferkonzepte

Um Auslieferungen umweltschonender zu gestalten gibt es inzwischen zum Beispiel die E-Scooter der Deutschen Post. Ebenfalls elektrisch angetrieben, aber zudem noch kompakter, ist der Elektroscooter TRIPL von der dänischen Firma EWII. Dabei handelt es sich um ein Zustellerfahrzeug mit circa zweieinhalb Meter Länge und einem Meter Breite. Mit diesen Abmaßen ist auch in Städten mit autofreien Zonen eine schnelle Paketzustellung auf Rädern bis vor die Haustür gewährleistet.

Eine insgesamt entlastende Wirkung auf den Lieferverkehr können höhere Versandkosten haben. Wenn diese drastisch steigen, wird dem Einzelhandel wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Um erfolglose Zustellversuche und somit zusätzlichen Fahraufwand zu vermeiden helfen die bestehenden Packstationen. Dieses Konzept wurde auf unterschiedliche Weise bereits erweitert. Manche Autohersteller und Versandhändler kooperieren, um die In-Car-Delivery anzubieten. Dabei wird das eigene Auto als Packstation genutzt.

Auch die Quartiersboxen der Mobilitätsstationen in München funktionieren wie Packstationen. Teilnehmende Händler können hier Pakete abstellen und Kunden diese zum Beispiel auf dem Heimweg von der Arbeit mitnehmen. Auf diese Weise kann logistischer Aufwand und Lieferverkehr eingespart werden.