Ein einziger Bus kann bis zu 60 Autofahrten ersetzen. Die Folgen: Mehr Platz auf den Straßen, weniger Schadstoffbelastung und Lärm. Trotzdem bedienen sich nicht genug Pendler dieses Angebots, um die Straßen vom Individualverkehr zu entlasten. Vielleicht weil der ÖPNV noch zu konservativ und schmal aufgestellt ist? Im Moment versucht er sich jedoch zu wandeln.

So stark ausgelastet sind Bus und Bahn

Der öffentliche Personenverkehr bietet enorme Passagierkapazitäten. Nach dem Statistischen Bundesamt beförderten Busse und Bahnen in Deutschland im Jahr 2018 rund 11 Milliarden Pendler und Reisende. Bei einer Statista-Umfrage dieses Jahrs gaben 46 Prozent der Befragten an, öffentliche Nahverkehrsmittel fast täglich zu nutzen.

Pendler in U-Bahn
Zu Stoßzeiten sind volle Verkehrsmittel ein gewohnter Anblick

Diese Auslastung ist jedoch kein Indiz für die Beliebtheit des ÖPNV. Denn gefühlt hört man nur Beschwerden über die öffentlichen Verkehrsmittel und warum die Fahrt zur Arbeit mit dem Auto besser sei.

Wieso ist der öffentliche Nahverkehr nicht attraktiv genug?

Wesentliche Kritikpunkte: Der ÖPNV sei zu teuer, zu langsam, überfüllt, unpünktlich, schlecht verfügbar und wartet in vielen Regionen mit einem undurchsichtigen Ticketsystem auf.

Bahnsteig mit Menschen
Jeder kennt es: Verspätungen und Ausfälle sorgen schnell für Unmut

Die letzten Jahre hat sich der öffentliche Nahverkehr zudem wenig in das Gesamtangebot an Mobilitätsdiensten integriert. An Möglichkeiten, um die letzte Meile zu bewältigen gab es hauptsächlich die DB-Sharing-Fahrräder.

Neue Konzepte für den ÖPNV

Der öffentliche Nahverkehr erkennt inzwischen den Wandel und bricht aus seiner Konservativität aus. Dafür hier ein paar Beispiele aus München und Berlin.

Eigene Dienste und Kooperationen

Relativ neu im Sortiment der Münchner Verkehrsgesellschaft: der IsarTiger, ein Ridepooling-Dienst, der momentan an drei Abenden pro Woche in München verfügbar ist.

Die Berliner Verkehrsgesellschaft bietet ebenfalls einen eigenen Ridepooling-Dienst an. Berlkönig transportiert Leute auf Anfrage über App und bündelt Fahrgäste auf ihrem Weg zum Ziel.

Auf den Zug mit den E-Scootern ist die MVG aufgesprungen. Die türkisenen Roller vom E-Scootersharing-Dienst sind in München mit Tier- und MVG-Logo zugänglich.

Leichterer Zugang zur neuen Mobilität

Ebenso ein Zeichen für die Anpassung des ÖPNV an den Mobilitätswandel sind die Mobilitätsstationen in München in Kooperation mit der MVG. Dort sammeln sich unter einem Dach neue Mobilitätsdienste wie Car- und Bikesharing, sowie Ladestationen für Elektroautos.

Das Problem mit fehlender Transparenz an Mobilitätsinformationen und beim Ticketkauf hat der BVG erkannt und bekämpft. Die Maßnahme: Jelbi. Die App bietet eine Routenplanung innerhalb Berlins mit Berücksichtigung fast aller verfügbaren Mobilitätsdienste. So wird das intermodale Reisen erleichtert. Tickets werden direkt aus der App heraus gekauft.

Was bietet der ÖPNV in Zukunft?

Was langfristig vielleicht Teil des öffentlichen Nahverkehrs wird: autonome Kleinbusse wie sie bereits in manchen deutschen Städten im Einsatz sind. In Bad Birnbach ist für die Deutsche Bahn das hochautomatisierte Shuttle EZ 10 als Zubringer zum Bahnhof im Einsatz.

Bisher sind diese fahrerlosen Shuttles lediglich interessant aufgrund des Neuigkeitswerts. Vielleicht werden sie sich in der Zukunft jedoch effektiv in das öffentliche Verkehrsnetz integrieren. Der öffentliche Nahverkehr zeigt also durchaus Mut zur Veränderung und wartet mit spannenden, neuen Konzepten auf.