Neue Mobilitätsdienste und Konzepte schießen förmlich aus dem Boden. Das erweckt den Eindruck, dass mit unseren etablierten Mobilitätslösungen nichts für eine nachhaltige Mobilität getan werden kann. Dabei hat das Fahrrad, ein zweihundert Jahre altes Verkehrsmittel, eine Menge Potenzial.

Das neue alte Verkehrsmittel

Es fährt emissionsfrei, ist günstig in der Anschaffung und im Betrieb, kompakt, zügig unterwegs und robust. Das utopische perfekte Verkehrsmittel der Zukunft? Nicht ganz. Es ist ein Verkehrsmittel der Gegenwart: das Fahrrad.

Auf der Suche nach neuen Ideen für die Mobilität wird das mensch-betriebene Zweirad oft vergessen. Dabei hat es wie eingangs beschrieben so viele Vorzüge.

Fahrrad auf Feldweg
Manchmal sogar abseits von Radwegen anzutreffen.

Was ist also das Problem mit dem Fahrrad?

  • Es ist nur für kurze Strecken eine Alternative, ansonsten werden Fahrzeiten zu lang.
  • Fahrradfahrer haben wenig Schutz im Straßenverkehr. Sie stehen im direkten Kontakt mit der Umwelt, haben keinerlei Knautschzone und abgesehen von Fahrradhelmen meist keine Schutzkleidung.
  • Radfahren ist mit körperlicher Anstrengung verbunden. Das hat nicht nur einen positiven Trainingseffekt, sondern bringt auch Nachteile mit sich. Niemand kommt gerne verschwitzt und vollkommen ausgepowert in der Arbeit an.

Radfahren scheitert primär an der Infrastruktur

Über diese Probleme sehen die meisten noch hinweg, beziehungsweise schaffen sich selbst Lösungen. Doch vorrangig ist Fahrradfahren mit einem Infrastrukturproblem verbunden. Dies umfasst:

  • Wenig Radwege,
  • Nicht vernetzte Radwege,
  • Oft keine Trennung von Radwegen und Straßen,
  • Schlechter Zustand bestehender Radwege,
  • Mangelhafte Ausstattung von Radwegen.
Fahrradweg
Keine Seltenheit: Der Radweg nicht mehr als ein markierter Fahrstreifen auf der Straße.

Das fehlt noch für mehr Radverkehr

Benötigt wird in Deutschland also eine umfassendere Radinfrastruktur. Darunter fallen mehr und vernetztere Radwege mit besserer Qualität. Wenn diese breit und physisch vom Autoverkehr getrennt sind, sorgt das für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl.

Vorbild ist hier unter anderem die Fahrradstadt Kopenhagen: Ideen wie Radschnellwege (nur für Fahrräder) mit Fahrradstationen für einfache Wartungsarbeiten erleichtern das Mobil-Sein mit dem Fahrrad.

Wenn das Mobil-Sein Pause hat, brauchen Fahrräder Parkplätze. Am besten geschützt vor Wettereinflüssen und einfach zugänglich. Ein relevantes Ausstattungsmerkmal für Fahrradstellplätze sind inzwischen Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder.

In den Niederlanden gibt es große Parkhäuser für Fahrräder mit intelligenten Verkehrsleitsystemen, in denen Fahrradfahrer ihre Räder für die ersten 24 Stunden kostenlos abstellen können.

Was auch praktisch wäre: eine engere Zusammenarbeit zwischen den Sharing-Anbietern, um so zum Beispiel eine gemeinsame App für die Nutzung ihrer Fahrräder anzubieten. Das Fahrrad ist aber auf einem guten Weg, sein Potenzial zu entfalten.

Infografik: Die fahrradfreundlichsten Städte der Welt.
Immerhin: Zwei deutsche Städte unter den Top 10 der fahrradfreundlichsten Städte der Welt. (Quelle)

Lastenräder, Bikesharing und erschwingliche E-Bikes sind immer öfter anzutreffen. Mit der Nutzung von Fahrrädern kann schon heute viel für die neue Mobilität erreicht werden. Sobald das Radfahren in Städten angenehmer gestaltet ist, wird jeder davon profitieren. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt dieser Artikel über Kopenhagens Fahrradfreundlichkeit.