Der Platz auf den Straßen wird knapp, Alternativen zum herkömmlichen Verkehr gehen in die Luft. Erst im März stellte Airbus in Ingolstadt einen Prototypen seines Flugtaxis vor, nun startete in Stuttgart der Volocopter. Doch sind Flugtaxis die lang ersehnte Lösung für Staus und lange Reisezeiten oder nur ein spannendes Mobilitätskonzept?

Flugtaxis sind bereits in der Luft

In Stuttgart flog am 14. September erstmals ein Volocopter in einer europäischen Innenstadt. Beim Volocopter handelt es sich um ein elektrisch angetriebenes Flugtaxi, ähnlich einer Drohne. Der Volocopter bietet Platz für zwei Personen und fliegt maximal 110 Kilometer pro Stunde bei einer Reichweite von 35 Kilometern. In der Luft gehalten wird der Volocopter von 18 Rotoren. Der Flug fand unbemannt über einem abgesperrten Bereich und vom Boden ferngesteuert statt. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von Daimler. Insgesamt konnte das Bruchsaler Startup bisher über 85 Millionen Euro von Investoren einsammeln.

Mitbewerber zum Volocopter gibt es eine Menge. Das Flugtaxi des Unternehmens Lilium wird nach Angaben des Herstellers mit einer Maximalgeschwindigkeit von 300 Kilometer eine Reichweite von 300 Kilometern haben. Kapazität bietet es für vier Passagiere und einen Piloten. Langfristig wird der Lilium-Jet wahrscheinlich auch autonom fliegen.

Das Besondere: Der Energieverbrauch soll durch den flugzeugähnlichen Vorwärtsflug die meiste Zeit des Betriebs ähnlich ausfallen wie bei einem Elektroauto.

Nicht nur in Städten selbst soll Lilium fliegen, sondern urbane Gebiete auch untereinander vernetzen. Dem bayerischen Startup wurden durch Investoren bereits über 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

Ein polarisierendes Thema

Mit Projekten wie dem Volocopter macht die urbane Mobilität den nächsten Schritt: Nicht mehr nur der Boden allein bietet Raum für Fortbewegung. Flugtaxis werden als Zubringer zwischen Flughäfen und Innenstädten geplant oder für sonstigen Personentransit an wichtigen Knotenpunkten. Darüber hinaus können sich Einsatzzwecke auch beim Rettungsdienst oder Gütertransport finden.

Die Meinungen zu dieser individuellen Form des Flugverkehrs gehen allerdings weit auseinander. Für die einen ist es das Transportmittel der nahen Zukunft, für andere nur ein weiterer Nischen-Mobilitätsdienst, der an den aktuellen Problemen nichts ändert.

Können Flugtaxis bei unseren Verkehrsproblemen helfen?

So wird angezweifelt, ob der Luftraum überhaupt genug Kapazität bietet, um Staus auf den Straßen reduzieren zu können. Auch lässt sich darüber streiten, ob der Ansatz richtig ist, Verkehr lediglich zu verlagern, anstatt nachhaltig zu reduzieren.

Eine wichtige Rolle spielt zudem das Thema Sicherheit. Kollisionen mit anderen Luftverkehrsteilnehmern muss vorgebeugt werden, autonome Flugtaxis müssen gegen Eingriffe von außen geschützt werden.

Mit einer Genehmigung für den kommerziellen Flugbetrieb rechnet Volocopter-Chef Florian Reuter in zwei bis drei Jahren. Wie bei Lilium auch soll die Nutzung für jeden erschwinglich sein und der Zugang wie bei vielen konventionellen Taxidiensten per Buchung über eine App erfolgen.

Flugtaxis auf der IAA
Der VoloCity auf der IAA 2019

Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Flugtaxiverkehr

Vergessen werden darf nicht, dass Flugtaxis auch Infrastruktur am Boden benötigen: Landepads auf Gebäuden, zentrale Steuereinheiten und ein stabiles 5G-Mobilfunknetz im Fall von autonom fliegenden Fluggeräten.

Ist eine Infrastruktur erst vorhanden, sind Taxiflüge erschwinglich und reduzieren sie wirklich Verkehr am Boden, können Flugtaxis ein zukunftsfähiges Transportmittel darstellen. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass sie von der Gesellschaft angenommen werden. Begeistert waren die Zuschauer des öffentlichen Testflugs vom Volocopter in Stuttgart allemal.